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Lebenslanges Lernen als Konzept

    

Lebenslanges Lernen (LLL)

Ein einheitliches Verständnis des Begriffes „Lebenslanges Lernen“ existiert nicht. LLL im Rahmen der EU wird in Deutschland so definiert:

Lebenslanges Lernen umfasst alles formale, nicht-formale und informelle Lernen an verschiedenen Lernorten von der frühen Kindheit bis einschließlich der Phase des Ruhestands. Dabei wird "Lernen“ verstanden als konstruktives Verarbeiten von Informationen und Erfahrungen zu Kenntnissen, Einsichten und Kompetenzen.

Lebenslanges Lernen ist weitgehend vom Einzelnen selbst verantwortetes Lernen, d.h. Lernen, bei dem der Lernende durch ein vielfältiges Netzwerk von Lernangeboten und Lernmöglichkeiten steuert. Das gilt selbst in der frühen Kindheit, in der Eltern weitgehend den Bildungsweg bestimmen. Dieses selbstgesteuerte Lernen beinhaltet die Nutzung fremdorganisierter Lernangebote ebenso wie das Selbstorganisieren von Lernen. Es setzt gerechte Zugangsmöglichkeiten und kompetente Lernberatung voraus.

LLL hat 2 Dimensionen:

  • Zeitliche Dimension – ein Leben lang
  • Räumliche Dimension – lebensumspannendes Lernen, also in allen Lebensbereichen und –phasen. Dies bezieht sich auf die drei Formen
       - Formales
       - Nicht-formales und
       - Informelles Lernen 

Formales Lernen

Formales Lernen schliesst alle Aus- und Weiterbildungen ein, die mit einem formellen Abschluss abgeschlossen werden, z.B. Abitur, Master, Bachelor, Lehrabschluss usw. Dies sind (staatlich) anerkannte Abschlüsse sowie die obligatorische Schulbildung, also alle Abschlüsse innerhalb des staatlichen Bildungssystems.

Nicht-formales Lernen

Nicht-formales Lernen bezeichnet alle Weiterbildungen, die nicht formal abgeschlossen werden, z.B. berufliche Weiterbildungskurse, Kurse im Bereich Hobby oder Vereine. Diese Weiterbildungen haben keinen formalen Abschluss, vermitteln aber dennoch wichtige Kompetenzen, die eine Biographie prägen können, z.B. Präsentationskurse, Fotographie-Kurse, Kurse zur Gesundheitsprävention etc. 

Informelles Lernen

Informelles Lernen beschreibt die „alltäglichen Lernprozesse“, denen jeder Mensch ausgesetzt ist, z.B. Umgang mit Ticketautomaten, Kindererziehung, Kochen, Bankgeschäfte tätigen etc. Dieses Lernen geschieht implizit.

Begründung des Lebenslangen Lernens

(Aus dem Memorandum der EU-Kommission über LLL, 2000)

  • „In Europa ist die wissensbasierte Gesellschaft und Wirtschaft entstanden. Mehr als jemals zuvor sind der Zugang zu aktuellen Informationen und Wissen sowie die Motivation und Befähigung zur intelligenten Nutzung dieser Ressourcen – zum eigenen Wohl und zu dem der Gemeinschaft – der Schlüssel zur Stärkung von Europas Wettbewerbsfähigkeit und zur Verbesserung von Beschäftigungsfähigkeit und Anpassungsfähigkeit der Arbeitskräfte.
  • Europäer von heute leben in einem komplexen sozialen und politischen Umfeld. Mehr als jemals zuvor möchte der Einzelne sein Leben selbst planen, wird erwartet, dass er einen aktiven Beitrag zur Gesellschaft leistet, und muss er lernen, positiv mit kultureller, ethnischer und sprachlicher Vielfalt umzugehen. Bildung im weitesten Sinne ist der Schlüssel, um zu lernen und zu begreifen, wie diesen Herausforderungen zu begegnen ist.“
  • Diese beiden Aspekte des heutigen sozialen und wirtschaftlichen Wandels sind verzahnt. Sie bilden die Grundlage für zwei gleichermaßen wichtige Ziele lebenslangen Lernens: Förderung der aktiven Staatsbürgerschaft und Förderung der Beschäftigungsfähigkeit.

Ziele, die eine Strategie des Lebenslangen Lernens verfolgt:

  • Gewährleistung eines umfassenden und ständigen Zugangs zum Lernen, damit Qualifikationen erworben und aktualisiert werden können, die für eine nachhaltige Teilhabe an der Wissensgesellschaft erforderlich sind,
  • deutliche Erhöhung der Investitionen in Humanressourcen, um Europas wichtigstes Kapital – das Humankapital – optimal zu nutzen,
  • Entwicklung effektiver Lehr- und Lernmethoden und -kontexte für lebenslanges und lebensumspannendes Lernen,
  • deutliche Verbesserung der Methoden zur Bewertung von Lernbeteiligung und Lernerfolg, vor allem von nicht-formalem und informellem Lernen,
  • Gewährleistung eines besseren Zugangs zu hochwertigen Informations- und Beratungsangeboten über Lernmöglichkeiten in Europa und während des gesamten Lebens für alle;
  • Schaffung von Möglichkeiten für lebenslanges Lernen in unmittelbarer Nähe (am Wohnort) der Lernenden und ggf. Nutzung IKT-basierter Techniken.

Sechs Grundbotschaften der EU zu Lebenslangem Lernen

Botschaft 1: Neue Basisqualifikationen für alle
Ziel:
Den allgemeinen und ständigen Zugang zum Lernen gewährleisten und damit allen Bürgerinnen und Bürgern ermöglichen, die für eine aktive Teilhabe an der Wissensgesellschaft erforderlichen Qualifikationen zu erwerben und zu aktualisieren.

Botschaft 2: Höhere Investitionen in die Humanressourcen
Ziel:
Investitionen in Humanressourcen deutlich erhöhen und damit Europas wichtigstes Kapital - das Humankapital - optimal nutzen.

Botschaft 3: Innovation in den Lehr- und Lernmethoden
Ziel:
Effektive Lehr- und Lernmethoden und -kontexte für das lebenslange und lebensumspannende Lernen entwickeln.

  • IKT-gestützte Lerntechniken beinhalten ein großes Potential der Innovation in den Unterrichts- und Lernmethoden.
  • Außerdem ist unser System der allgemeinen und beruflichen Bildung nach Organisation und Inhalt im Wesentlichen immer noch so angelegt, als ob Lebensinhalte und Lebensplanung sich ein gutes halbes Jahrhundert lang nicht verändert hätten. Die Lernsysteme müssen an die sich wandelnden Prozesse angepasst werden, nach denen die Menschen heute leben und für das Leben lernen.
  • Das Berufsbild des Lehrenden wird sich in den nächsten Jahrzehnten grundlegend wandeln. Lehrer und Ausbilder werden zu Beratern, Mentoren und Vermittlern. Ihre Rolle – und es ist eine entscheidende Rolle – ist es, die Lernenden zu unterstützen, die nach Möglichkeit das Lernen selbst in die Hand nehmen sollen. Die Fähigkeit, offene und partizipative Lehr- und Lernmethoden zu entwickeln und zu praktizieren, sollte deshalb zu einer Grundqualifikation der Pädagogen und Ausbilder werden, im formellen wie im nicht-formalen Kontext. Aktives Lernen setzt Lernmotivation voraus, wie auch kritisches Urteilsvermögen und das Wissen, wie man lernt. Hauptaufgabe der Lehrenden ist es, genau diese menschlichen Fähigkeiten zur Aneignung und Nutzung von Wissen zu schulen.

Botschaft 4: Bewertung des Lernens
Ziel:
Die Methoden der Bewertung von Lernbeteiligung und Lernerfolg deutlich verbessern, insbesondere im Bereich des nicht-formalen und des informellen Lernens.

  • Die allgemeine und berufliche Bildung ist eine Dienstleistung für den Einzelnen, für die Arbeitgeber und generell für die Zivilgesellschaft. Es gilt sicherzustellen, dass Lernen sichtbar und angemessen zertifiziert wird als integraler Bestandteil der Qualität dieser Dienstleistung.

Botschaft 5: Umdenken in Berufsberatung und Berufsorientierung
Ziel:
Für alle einen leichten Zugang sichern zu hochwertigen Informations- und Beratungs-angeboten über Lernmöglichkeiten in ganz Europa und während des ganzen Lebens.

  • Ein neuer Ansatz ist erforderlich, in dem die Beratung zu einer für alle jederzeit zugänglichen Dienstleistung wird, die nicht mehr unterscheidet zwischen Berufsberatung, Berufsorientierung und persönlicher Beratung und eine ganz neue Zielgruppe anspricht.

Botschaft 6: Das Lernen den Lernenden auch räumlich näher bringen
Ziel:
Möglichkeiten für lebenslanges Lernen in unmittelbarer Nähe (am Wohnort) der Lernenden schaffen und dabei gegebenenfalls IKT-basierte Techniken nutzen